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Entwicklungskompass Wirtschaft und Gesellschaft

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1.2 Zielgruppe und Markt

Grundlagen

Die Zielgruppe der Mountainbikenden wächst stetig und der Markt ist riesig. Es gibt unterschiedliche Menschen die mountainbiken, unterschiedliche Mountainbike-Typen, unterschiedliche Infrastrukturen, Angebote, Gebiete und überhaupt in allem eine grosse Vielfalt. Daraus ergibt sich ein grosses Potential.

Durch gezielte Investitionen in die bikespezifische Infrastruktur sowie entlang der gesamten Dienstleistungskette kann ein wichtiger Beitrag zur Standortattraktivität geleistet und zugleich die Wertschöpfung im Sommertourismus nachhaltig gesteigert werden.

Damit eine Destination die Chancen des Mountainbike-Markts optimal nutzen kann, lohnt sich ein strategisch durchdachtes Vorgehen mit einer klaren Vision.

Bei der Bestimmung der Zielgruppe ist der Schwerpunkt eher auf die Bedürfnisse der Nutzenden an die Infrastruktur als auf die Segmentierung zu legen.

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Mountainbikende kennenlernen

Wer fährt Mountainbike, was sind die Motive und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mountainbikenden? (vgl. hierzu: ASTRA, Mountainbiken in der Schweiz 2020)

Gemäss dem Bundesamt für Sport übten als Folge der Corona Pandemie im Jahr 2022 10.9% der Schweizer Bevölkerung regelmässig Mountainbiken (inkl. Gravel) aus (vgl. Sport Schweiz light). Bereits vor der Pandemie bei der Erhebung 2020 übten 7.9% der Schweizer Bevölkerung den Sport Mountainbiken aus, also mehr als beispielsweise Fussball (7.7%) spielten (vgl. Sport Schweiz 2020, Factsheet Sportarten).

Mountainbiken wird gemäss dieser Studie des BASPO zwar nicht häufiger, aber regelmässiger ausgeübt als Wandern. Dies verdeutlicht, dass sich das Mountainbiken in der Schweiz als beliebte Freizeitaktivität etabliert hat und sowohl in Form von Ferien- und Wochenendausflügen in Tourismusregionen als auch in Naherholungsgebieten ausgeübt wird.

Damit unterscheiden sie sich nur wenig von den Wandernden, welche ähnliche Motive aufweisen.

So liegt das Durchschnittsalter bei Mountainbikenden aktuell bei rund 45 Jahren. Zirka 75% der Nutzenden sind männlich, wobei die Anzahl Mountainbikerinnen unter anderem durch die Entwicklung von neuen Angeboten im Verhältnis ebenfalls zunimmt.

Je höher das Einkommen ist, desto eher wird Mountainbike gefahren (vgl. hierzu: ASTRA, Mountainbiken in der Schweiz 2020)

Segmentierung

Der Mountainbikesport hat sich in den letzten Jahren in unterschiedlichen Segmenten oder Ausprägungsformen entwickelt. Hinzu kommt die rasante Entwicklung im Bereich der E-Mountainbikes, welche sich in nahezu allen bisherigen Segmenten widerspiegelt. Häufig wird das Mountainbiken in die folgenden Gästesegmente resp. Disziplinen unterteilt: Diese Einteilung hat sich vor allem aus den unterschiedlichen Anforderungen an Mountainbikes, beispielsweise hinsichtlich der Rahmengeometrie oder des Federwegs, entwickelt. Aus Nutzer-Sicht bzw. für die Bestimmung der Zielgruppe und die Produktegestaltung ist eine Verdichtung dieser Segmente dort sinnvoll, wo ähnliche Anforderungen an die Infrastruktur bestehen (vgl. hierzu Angebotsgestaltung).

Das Segment Tour hat das Motiv abzuschalten und die Natur in der Gemeinschaft zu geniessen. Dies vorwiegend auf einfachen Trails und Forststrassen, oder einem einfachen Flowtrail. Cross Country steht für Ausdauersport und eine gute Fahrtechnik. Hier können anspruchsvolle Abfahrts-Passagen genauso erfreuen wie technische Aufstiege. Die Segmente All-Mountain und Enduro suchen eher das Abenteuer und verspielte Trails in der Natur. Die Enduristen nutzen und integrieren dabei gern vorhandene Transportmittel. Beide finden auch an einem abwechslungsreichen Flowtrail Vergnügen. Die Segmente Freeride und Downhill richten sich an eine Zielgruppe die das Abfahrtserlebnis auf Downhill-Pisten, Sprünge in Bike-Parks und generell die Action sucht. (vgl. dazu Angebotsgestaltung)

E-Bike ist nicht als eigenes Segment, sondern vielmehr als eine Variante der genannten Ausprägungsformen zu betrachten. Grundsätzlich ermöglicht die elektrische Tretunterstützung längere Distanzen oder steilere Aufstiege zu meistern. Ausserdem wird der Zugang zum Sport einer breiteren, teilweise unerfahrenen Zielgruppe ermöglicht, was wiederum sichere und offizielle Infrastrukturen bedingt.

Auch hinsichtlich der Vermarktung ähneln sich die Segmente so stark, dass sich die Zielgruppen überschneiden. Eine Destination kann bei der Ausrichtung auf eine Zielgruppe also mehrere Segmente abdecken.

Zur Gestaltung von Personas wird auf Zahlen, Daten und Fakten zurückgegriffen, es können aber auch gewisse Annahmen getroffen werden. Personas helfen, fundierte Entscheidungen bei der Entwicklung von Mountainbike Angeboten zu treffen und die Zielgruppe besser greifbar zu machen (mehr zu Personas: Kirchem & Waack, 2021).

Der Mountainbike-Gast

Sie kommen oftmals in Gruppen oder mit der ganzen Familie, bleiben auch mal länger und kommen wieder, wenn das Erlebnis stimmt. Es lohnt sich deshalb, in die Gästepflege zu investieren und Anreize für ein Wiederkommen zu schaffen.

Um das bestehende Wertschöpfungspotential auszuschöpfen, muss ein Angebot vorhanden sein, in das der Gast investieren kann. Vielen Leistungsträgern ist das Potential des Mountainbike-Gastes nicht bekannt. Dieser ist ausgabefreudiger als beispielsweise der Wander-Gast mit Ausgaben von durchschnittlich CHF 230.– pro Tag (vgl. SchweizMobil, Manual Routen).

Gut geplante, offizielle und koordinierte Infrastruktur ist der Schlüssel zu einer umweltschonenden Ausübung des Sports (vgl. Mountain Wilderness Schweiz et al., 2019; ausserdem Kompass MTB und Umwelt).

Glossar Bikeplan

Glossar

Besucherlenkung

Clivaz et al. beschreiben Besucherlenkung im Projekt Visiman als «Massnahmen zur Beeinflussung von Besuchern hinsichtlich ihrer räumlichen, zeitlichen und quantitativen Verteilung sowie ihrer Verhaltensweisen mit dem Ziel, negative Auswirkungen auf die Schutzobjekte zu minimieren oder zu beseitigen (verändert nach Bähre 1996)». Strategien hierzu sind vielfältig und reichen z.B. von der Erhöhung des Angebots, der Erhöhung der Haltbarkeit bis hin zu Einschränkungen und Verboten.

Clivaz, C., Rupf, R., & Siegrist, D. (Eds.) (2013). Visiman: Beiträge zu Besuchermonitoring und Besuchermanagement in Pärken und naturnahen Erholungsgebieten: Vol. Schriftenreihe des Instituts für Landschaft und Freiraum. HSR Hochschule für Technik Rapperswil S.19. Online verfügbar unter: https://www.freizeitwald.ch/download/pictures/4f/0rofjzvhvrrgfvauipcbati55tdds7/visiman.pdf

Zusammengefasster Überblick unter https://www.visiman.ch/index.php?id=6489.
Desire lines

Desired lines entsprechen einer vom Nutzer bevorzugte Linienführung. Diese kann Beispielsweise eine offensichtliche Abkürzung, eine weniger steile Strecke oder ein Weg zu einem Point of Interest sein. Sie sollten bei der Planung sowie dem Weg Design beachtete werden, da sie sonst zusätzlich als Trampelpfade entstehen können.

Drainagetechniken

Drainagetechniken beeinflussen, wie sich das Wasser entlang des Trails verhält. Das Ziel ist, dem Wasser einen einfachen Weg zu bieten, sodass es vom Weg fort- und den Hang hinunterzufliessen kann. Zu den wichtigsten Techniken zählen Neigungswechsel und das talseitige Quergefälle.

Erosion
Erosion ist ein natürlicher Prozess, bei dem Gestein oder Boden durch Kräfte wie Wasser oder Wind abgetragen werden. Nutzererosion entsteht durch die verschiedenen Wegnutzungsformen..
Falllinie

Wasser, das einen Berg hinunterfliesst, folgt dem Weg des geringsten Widerstands, der so genannten Falllinie. Diese sollte beim Wegbau vermieden werden, denn ein Weg in der Falllinie wird durch das Wasser zunehmend ausgeschwemmt. Es bilden sich Rillen, Wurzeln werden freigelegt und die Umwelt wird beschädigt.

Felton, V. (2004). Trail Solutions: IMBA’s Guide to Building Sweet Singletrack (IMBA (International Mountain Bicycling Association) (ed.)). International Mountain Bicycling Association. S. 60

Full Bench Cut

Die Verwendung von «Full Bench Cuts» fördert die Langlebigkeit des Trails und führt zu weniger Unterhaltsarbeit.

Eine «Bank» (bench) ist in diesem Sinne ein Abschnitt der Lauffläche, der in die Seite oder Kontur eines Hügels gegraben ist. Das abgetragene Material sollte entfernt/ weggeschafft werden und nicht mit im Trail aufgebaut werden. Mit genügend Zeit und Mühe kann mit dieser Bauweise eine gleichmässige und stabile Lauffläche erzeugt werden, die ausgesprochen langlebig ist und nur geringen Unterhalt benötigt.

Felton, V. (2004). Trail Solutions: IMBA’s Guide to Building Sweet Singletrack (IMBA (International Mountain Bicycling Association) (ed.)). International Mountain Bicycling Association. S. 140ff.

GeschwindigkeitsmanagementGezieltes Design kann die auf dem Weg gefahrene Geschwindigkeit kontrollieren. Dazu können unter anderem Hindernisse am Wegrand, gezieltes Kurvendesign, das Lichtraumprofil oder die Wegneigung genutzt werden. Konstanter Flow (dieser kann auch technischer Natur sein) sollte dabei beibehalten werden.
Halbkreis-Senke

Halbkreis-Senken auch «Knicks» genannt, ist ein Abschnitt von ca. 1,5 bis 3 Metern, der ein halbkreisförmiges Quergefälle von ca. 15% aufweist. Sie können auch mit Gegenanstieg umgesetzt werden.

Felton, V. (2004). Trail Solutions: IMBA’s Guide to Building Sweet Singletrack (IMBA (International Mountain Bicycling Association) (ed.)). International Mountain Bicycling Association. S. 201

Bikeplan, RWO AG – Regions- und Wirtschaftszentrum Oberwallis, ARVR – Region Valais romand, & VWP – Valais/Wallis Promotion. (2019). Arbeitshilfe zum Bau und Unterhalt von Mountainbike-Wegen und -Pisten: Bestandsaufnahme und Empfehlungen für das Wallis (Version 1.0). S. 11 Online verfügbar unter: https: https://www.rw-oberwallis.ch/projekte/bike-valais-wallis

Lichtraumprofil

Das Lichtraumprofil bezeichnet einen definierten Raum der senkrechten Querebene eines Weges. Dieser Raum ist von Gegenständen, Ästen und ähnlichem freizuhalten.

Adaptiert aus: Lichtraumprofil und Fahrzeugbegrenzung im europäischen Schienenverkehr. (2020, September 23). Forschungs-Informations-System. Online verfügbar unter: https://www.forschungsinformationssystem.de/servlet/is/325031/

Mountainbike Anlagen

«MTB-Anlagen sind ausschliesslich dem Mountainbiken gewidmet (kein Misch- oder Gegenverkehr)». Zu ihnen zählen laut dem BFU Pisten und Parks.

Müller, C. (2019). Mountainbike-Anlagen: Sicherheitsaspekte bei Planung, Bau und Betrieb (Version 2.040). SchweizMobil; bfu,bpa,upi S. 7 Online verfügbar unter: https://www.bfu.ch/media/rfna2wnt/mountainbike-anlagen.pdf

Mountainbike Infrastruktur

Mountainbike Infrastruktur ist der Überbegriff von Weginfrastruktur, auf welcher das Mountainbiken gestattet ist. Sie wird weiter in Mountainbike Routen und Mountainbike Anlagen unterteilt.

Müller, C. (2019). Mountainbike-Anlagen: Sicherheitsaspekte bei Planung, Bau und Betrieb (Version 2.040). SchweizMobil; bfu,bpa,upi S. 7 Online verfügbar unter: https://www.bfu.ch/media/rfna2wnt/mountainbike-anlagen.pdf

Mountainbike Pisten

«MTB-Pisten werden nur in einer Richtung befahren (in der Regel abwärts), enthalten gebaute Elemente und sind speziell signalisiert. Der Start ist üblicher-weise mit einer Aufstiegshilfe erschlossen (Bergbahn, öffentlicher Verkehr). Leichte MTB-Pisten (Schwierigkeitsgrad blau) können in MTB-Routen integriert werden».

Müller, C. (2019). Mountainbike-Anlagen: Sicherheitsaspekte bei Planung, Bau und Betrieb (Version 2.040). SchweizMobil; bfu,bpa,upi S. 7 Online verfügbar unter: https://www.bfu.ch/media/rfna2wnt/mountainbike-anlagen.pdf

Mountainbike Routen

«MTB-Routen sind allgemein zugängliche Wege oder Pfade und werden meist mit anderen Nutzern geteilt«.

Müller, C. (2019). Mountainbike-Anlagen: Sicherheitsaspekte bei Planung, Bau und Betrieb (Version 2.040). SchweizMobil; bfu,bpa,upi S. 7 Online verfügbar unter:  https://www.bfu.ch/media/rfna2wnt/mountainbike-anlagen.pdf

Neigungswechsel

Ein Neigungswechsel ist eine Stelle, an der ein Weg abflacht und dann die Steigung ändert, indem er zuerst leicht abfällt, bevor er wieder ansteigt. Diese Änderung des Gefälles zwingt das Wasser dazu, den Weg am tiefsten Punkt der Gefälleumkehr zu verlassen.

Felton, V. (2004). Trail Solutions: IMBA’s Guide to Building Sweet Singletrack (IMBA (International Mountain Bicycling Association) (ed.)). International Mountain Bicycling Association. S. 67

Rolling Contour Design
Siehe Wellen-Mulden Design
Schützenswerte BereicheSchützenswerte Bereiche müssen differenziert werden in Naturschutzgebiete und andere offizielle Schutztypen sowie weitere, ungeschützte Naturflächen. Naturschutzgebiete haben eine Rechtsgrundlage, sind amtlich bezeichnet und haben festgelegte Perimeter und Schutzbestimmungen. Auch ausserhalb der Naturschutzgebiete gibt es sensible Zonen oder ökologisch wertvolle Flächen, z.B. aufgrund des Vorkommens gefährdeter Arten. Die Mountainbike spezifische Planung / Wegnetzplanung richtet sich unter anderem nach ausgewiesenen Schutzgebieten (auch Gewässerschutz), Landschafts- und Naturdenkmälern (BLN) sowie Lebensräumen von Flora und Fauna und setzt sich darüber hinaus aktiv mit weiteren sensiblen Bereichen auseinander.
SMPDas «Swiss Mountainbiking Project» (SMP) ist ein Innotour gefördertes Projekt der IMBA Schweiz. Es verfolgt das Ziel, das Mountainbike-Segment, als wichtige Einnahmequelle des Schweizer Sommertourismus, zu stärken. Interessensgruppen werden vernetzt, Wissen wird zusammengetragen und ergänzt. Dadurch können die Gestaltung und der Unterhalt von Trails (das Trail Management) professionalisiert werden. Infrastrukturen und Services im Tourismus können qualitativ ausgebaut werden und somit die Wertschöpfung gesteigert und eine langfristige Attraktivität gesichert werden.
TrasseeAls Trasse wird geplante oder bestehende Verlauf eines Weges bezeichnet.
Wellen-Mulden-Design

Ein Weg mit «Wellen-Mulden Design» zeichnet sich durch eine sanfte Neigung, stetige Neigungswechsel und ein Aussengefälle der Lauffläche aus. Diese Merkmale minimieren die Erosion des Weges, da das Wasser auf eine sanfte, nicht erosive Art und Weise abfliessen kann.

Felton, V. (2004). Trail Solutions: IMBA’s Guide to Building Sweet Singletrack (IMBA (International Mountain Bicycling Association) (ed.)). International Mountain Bicycling Association. S. 56

Zonierung
Entspricht der räumlichen Funktionstrennung von Nutz- und Umweltschutzzonen (siehe auch weiterführende Literatur zur Besucherlenkung bspw. das Projekt Visiman online verfügbar unter: https://www.visiman.ch/index.php?id=6489)

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