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Entwicklungskompass Wirtschaft und Gesellschaft

2.2 Planung und Gestaltung von Mountainbike-Infrastruktur

Grundlagen

Die Bereitstellung einer qualitätsvollen und durchdachten Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für die Angebotsgestaltung im Bereich Mountainbike. Die Trails in einer Destination sind zentral für die Attraktivität derselben.

Beim Mountainbiken werden verschiedene Zielgruppen unterschieden. Sie gehen fliessend ineinander über. Damit die Mountainbike-Infrastruktur erfolgreich wird, ist es wichtig, dass der Bezug zur Zielgruppe hergestellt wird und deren Bedürfnisse abgeholt werden.

Hier gibt es starke Überschneidungen zwischen den Mountainbike-Segmenten, wie bspw. der Naturbezug, Erholung und Fitness. Zudem können die Mountainbikenden oft auch mehreren Bike-Segmenten zugeordnet werden.

Die lokale Community kann ein wichtiger Treiber sein, um Mountainbike-Angebote zu schaffen, welche in einem nächsten Schritt auch touristisch genutzt werden. Die Mitglieder der Community sind lokal verankert und gehen ihrem Beruf nach, welcher sich unter Umständen ebenfalls in der Destination befindet. So können Hoteliers und Hotelière ebenfalls zur Bike-Community gehören genauso wie der Bäcker oder die Ladenbesitzerin. Dies sorgt in einer Destination für ein grosses Engagement für die Angebotsgestaltung. Wenn Projekte, die aus lokalen Initiativen entstanden sind, nicht weiterverfolgt werden, kann dies zu Resignation führen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass man die Community immer wieder ins Boot holt, im Loop behält und weiterhin motiviert.

Die Grundlagen für die Planung sind vielschichtig und von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Die folgenden Ausführungen erleichtern die Herangehensweise für eine erfolgsversprechende Planung, Projektierung und Realisierung.

Ausserdem gibt der Entwicklungskompass Mountainbike und Umwelt unter Punkt 1.1 Raum- und Wegnetzplanung wichtige Inputs und Informationen für eine nachhaltige Planung.

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Planung von Mountainbike-Infrastruktur

Es gilt unterschiedliche Gesetze, Vorgaben sowie naturräumliche Gegebenheiten zu beachten. Ziel ist es, die Auswirkungen möglichst gering zu halten und die Infrastrukturen nachhaltig und effizient zu planen und bauen.

Idealerweise findet die Planung regionsübergreifend statt. In einer grossräumigen Planung können Entwicklungsräume je nach Segmentierung festgelegt werden und so langfristig und weitsichtig geplant werden. Ausserdem sollte die bestehende Infrastruktur berücksichtigt und miteinbezogen werden. Was ist in dem Gebiet bereits vorhanden, was wird genutzt? Auch hier wie bei allen touristischen Angeboten ist die Convenience der Gäste miteinzuplanen.

Um ein Angebot zu schaffen, welches die Bikenden anspricht kann es sinnvoll sein, dass sich Nachbardestinationen für die Schaffung eines solchen Angebots zusammenschliessen und hier Synergien nutzen. So können Kosten für Bau und Unterhalt aber auch fürs Marketing eingespart werden.

Sind die Wanderwege bedarfsgerecht? Werden diese benötigt und genutzt?

Unter Umständen könnte es sinnvoll sein, bestehende Wanderwege, die von Wandernden nicht mehr (gerne) genutzt werden zu Mountainbike-Trails umzubauen und allenfalls für die Wandernden ein neues bedürfnisgerechtes Angebot zu schaffen.

Zudem gilt es zu prüfen, ob in der Destination Koexistenz möglich ist. Messungen können Aufschluss darüber geben, wie intensiv die Wege derzeit genutzt werden. Bei sehr intensiv genutzten Wegen gestaltet sich eine geteilte Nutzung jedoch als eher schwierig und es sollten neue Wege bzw. Wegabschnitte in Betracht gezogen werden (weitere Ausführungen zu Koexistenz vgl. 3.2 Besucherlenkung).

Durch deren Erfahrung und Fachwissen können Konflikte, Verzögerungen und zusätzliche Kosten vermieden werden. Ausserdem verfügen sie bspw. über digitale Lösungen zur Erfassung der Besucherströme.

Ein gut gebauter Trail kann Wetter und Nutzung trotzen und benötigt dadurch weniger Aufwand im Unterhalt. Zudem bleibt das Erlebnispotenzial für Bikende langfristig erhalten, was als Basis einer funktionierenden Besucherlenkung dient. Es wird vermieden, dass ungewollte Abkürzungen und Wegverbreiterungen entstehen oder auf alternative Wege ausgewichen wird (vgl. dazu Kompass Mountainbike und Umwelt).

Zielgruppe und Mountainbike-Infrastruktur

Eine scharfe Trennung des Angebots speziell für die Bike-Segmente gestaltet sich als eher schwierig, da die Trails auf unterschiedliche Art und Weise befahren werden können. Es empfiehlt sich hier, auch die Persona-Frameworks von Schweiz Tourismus zu konsultieren. Mountainbike als Freizeitbeschäftigung findet man bei der Persona Jo – Active Adventurer aber auch bei Pat – Bonding Educator sowie je nach Mountainbike-Segment (vgl. Strategische Grundlagen, Segmentierung) bei Lou –. Dieses Wissen hilft, um die Personengruppe besser einzuschätzen und somit auch die Rahmenbedingungen in der Destination.

Darauf basierend kann das Angebot ausgebaut und optimiert werden. Das Angebot muss der Zielgruppe entsprechen und bereits vorhanden sein, damit ein entsprechendes Gästesegment bearbeitet werden kann. Bei den Gästen sollten keine Erwartungen geweckt werden, die vor Ort nicht erfüllt werden.

Der Mountainbike-Gast ist naturverbunden. Somit werden naturnahe Angebote mit Aussichtspunkten oder Naturhighlights unterwegs sehr geschätzt.

Dadurch dass das Biken zu einem Breitensport geworden ist, gibt es ganz unterschiedliche Niveaus. Dies ist eine Herausforderung, die es bei der Angebotsschaffung zu meistern gilt. Weder eine Über- noch eine Unterforderung des Wegenutzenden ist zielführend.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Mountainbike-Infrastruktur ist, dass diese den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Eine bedarfsgerechte Planung für die definierte Zielgruppe ist also essenziell, wobei die Zielgruppe die tatsächlichen Konsumenten/Nutzer beinhalten sollte.

Nicht für alle Mountainbikenden ist jede Art der Infrastruktur gleich attraktiv. Die Anforderung an die Infrastruktur kann sich je nach Segmentierung bzw. Persona unterscheiden. Ein gut geplantes und sorgfältig gestaltetes Angebot kann eine breite Palette ansprechen.

Eine zielgerichtete Ansprache bestimmter Segmente oder Gruppen im Mountainbike-Tourismus, hilft, die richtigen Erwartungen zu wecken und Enttäuschungen zu vermeiden.

MTB Infrastruktur Typen

  • Mountainbike-Routen sind ausgewiesene Strecken, die speziell für eine oder mehrere Zielgruppen von Mountainbikern konzipiert und durchdacht wurden. Sie verbinden landschaftliche und touristische Sehenswürdigkeiten mit attraktiven Streckenabschnitten auf Wanderwegen. Die Länge, der Höhenunterschied und der technische Schwierigkeitsgrad der Touren variieren je nach Zielgruppe und Niveau. Sie werden in der Regel nur in eine Richtung befahren und es wird eine klare und durchgehende Beschilderung erwartet, die die Mountainbiker je nach Route über einen Tag oder mehrere Tage führt. National: Routen, die durch die Schweiz führen und die Kantone miteinander verbinden.
  • Eine Mountainbike-Piste ist eine speziell präparierte Strecke für Mountainbikende, die oft in Bikeparks zu finden ist und mit Hindernissen wie Sprüngen, Steilkurven und Drops versehen sein kann.
  • Mountainbike-Trails ist der Überbegriff für natürliche oder künstlich angelegte Pfade oder Wege, die von Mountainbikenden befahren werden können. Trails können unterschiedliche Schwierigkeitsgrade haben und durch Wälder, Berge oder andere Landschaften führen.
  • Mountainbike-Verbindungen sind Routen oder Wege, die verschiedene Mountainbike-Strecken miteinander verbinden und es den Bikenden ermöglichen, längere Touren zu planen oder von einem Ort zum anderen zu gelangen. Diese Verbindungen können asphaltierte Strassen, Schotterwege oder Singletrails sein.
  • Ein Single Trail ist ein schmaler, naturbelassener Pfad, der sich durch Wälder, Berge oder andere Landschaften schlängelt. Er ist in der Regel technisch anspruchsvoll und erfordert Geschicklichkeit und Konzentration beim Fahren.
  • Ein Enduro Trailist ein natürlicher Trail, der abfahrtsorientiert ist. Er kombiniert technische Abschnitte mit schnellen Flow-Passagen und ist daher besonders beliebt bei Enduro-Fahrern, die gerne vielseitige Strecken fahren. Der Einstieg erfolgt über einen Trail oder eine Forststrasse.
  • Eine Downhill-Piste besteht aus Sprüngen, Geröll, Wurzeln, Steilkurven, Drops und kann sehr steil sein. Hindernisse lassen sich nicht immer umfahren. Der Zugang erfolgt über eine Aufstiegshilfe.
  • Ein Flow Trail ist ein Trail, der speziell für ein flüssiges Fahrgefühl konzipiert wurde. Er zeichnet sich durch sanfte Kurven, Anlieger und Wellen aus, die es dem Fahrer ermöglichen, einen kontinuierlichen Fluss aufrechtzuerhalten.
  • Ein Jump Trail ist ein speziell angelegter Trail mit zahlreichen Sprüngen und Drops. Hier können Fahrer ihre Sprungtechnik verbessern und Spass haben, indem sie über verschiedene Hindernisse springen.
  • Ein Play Trail ist ein abwechslungsreicher Trail mit verschiedenen Elementen wie Wurzeln, Steinen, Anliegern und kleinen Sprüngen. Er eignet sich besonders gut für Fahrer, die gerne spielerisch neue Techniken ausprobieren möchten.
  • Ein Uphill Trail ist ein speziell angelegter Weg zum Bergauffahren. Er kann entweder als reine Aufstiegsstrecke dienen oder auch als Teil einer Rundtour genutzt werden. Diese Trails sind technisch oft weniger anspruchsvoll als Abfahrten und erfordern eine gute Kondition und Ausdauer.
  • Ein Mountainbike-Trail-Netzwerk ist ein System von miteinander verbundenen Trails, die speziell für Mountainbikende angelegt sind. Diese Trails bieten eine Vielzahl von Strecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Geländearten, um den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Fahrer gerecht zu werden. Ein Mountainbike-Trail-Netzwerk kann in einem bestimmten Gebiet oder einer Region angelegt sein und wird oft von lokalen Behörden, Organisationen oder Freiwilligen gepflegt und weiterentwickelt. Ziel eines solchen Netzwerks ist es, den Mountainbikenden ein abwechslungsreiches und sicheres Fahrerlebnis in der Natur zu ermöglichen.
  • Trail-Center sind speziell angelegte Einrichtungen, die für Mountainbikende konzipiert sind und eine Vielzahl von Strecken und Einrichtungen bieten, um das Mountainbiken zu fördern. Diese Zentren verfügen in der Regel über ein Netzwerk von Trails unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, Pumptracks, Skills-Parks, Übungsbereiche und oft auch Serviceeinrichtungen wie Fahrradverleih, Werkstätten und Gastronomie. Trail-Center bieten eine sichere Umgebung für Mountainbiker aller Könner-Stufen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, neue Techniken zu erlernen und Spass beim Biken zu haben. Sie dienen auch als Treffpunkt für die Mountainbike-Community und tragen zur Förderung des Sports bei
  • Ein Bike-Park ist eine speziell angelegte Einrichtung für Mountainbikende, die eine Vielzahl von Strecken und Einrichtungen bietet, um das Mountainbiken zu fördern. In einem Bike-Park finden sich in der Regel verschiedene Arten von Trails, wie Downhill-Strecken, Freeride-Strecken, Pumptracks, Dual Slalom-Kurse und Dirt Jumps.

Bike-Parks sind oft in Skigebieten oder anderen bergigen Regionen zu finden und bieten spezielle Strecken mit Hindernissen, Sprüngen und Steilpassagen für erfahrene Mountainbiker. Sie dienen als Spielplatz für Adrenalin-Junkies und bieten die Möglichkeit, technische Fähigkeiten zu verbessern und neue Tricks zu erlernen. Bike-Parks sind beliebte Ziele für Mountainbike-Enthusiasten und tragen zur Weiterentwicklung des Sports bei.

Mit der Fachdokumentation unterstützen die BFU, SchweizMobil und die Fachgruppe sicher Mountainbiken FsMTB die Destinationen, Planer, Bauer und Betreiberinnen von Mountainbike-Anlagen bei der Umsetzung solcher Vorhaben.

Um viele Bedürfnisse abzudecken und das Mountainbike-Erlebnis für alle spannend und attraktiv zu halten, bietet sich ein progressiver Schwierigkeits-Aufbau der Mountainbike-Infrastruktur an. Zum einen kann ein Trail unterschiedliche Schwierigkeiten aufweisen, indem schwierige Stellen umfahren werden können. Zum anderen kann es in der Destination eine Variantenvielfalt geben.

Vor allem Anfänger und Familien sind sensibel bei der Angebotswahl und gehen eher auf Nummer sicher. Exponierte und extrem steile Stellen meiden sie. Ein progressiver Aufbau der Schwierigkeiten hilft hier ein Angebot zu schaffen, dass für viele Zielgruppen spannend ist.

Tipp: Professionelle Trailbau-Unternehmen miteinbeziehen.

Koexistenz

Da zunehmend mehr Nutzende die gleichen Wege in Anspruch nehmen, müssen die Mobilitätsformen aufeinander abgestimmt werden. Dies führt zu einer grossen Herausforderung für die Planung und den Betrieb von Wegen und Routen.

Die häufigsten Probleme sind auf eine fehlende Rücksichtnahme und mangelndes Verständnis zwischen den verschiedenen Nutzergruppen zurückzuführen. Oftmals spielt hierbei die subjektive Wahrnehmung der Nutzenden eine wichtige Rolle, wenn sich diese bspw. überrumpelt fühlen.

Um das gegenseitige Verständnis zu fördern, haben die Schweizer Wanderwege, die bfu, Swiss Cycling, SchweizMobil, der Schweizer Alpen-Club SAC, Seilbahnen Schweiz, Schweiz Tourismus und der Schweizer Tourismus-Verband in einem gemeinsamen Positionspapier zum Thema Koexistenz Stellung bezogen. Diese wichtigen nationalen Interessenvertreter und Organisationen sagen grundsätzlich ja zur Koexistenz und treten für ein rücksichtsvolles Mit- und Nebeneinander von Wandernden und Mountainbikenden ein.

Das Merkblatt Wandern und Mountainbiken – Entscheidungshilfe zu Koexistenz und Entflechtung zeigt Möglichkeiten für das planerische Vorgehen auf, wenn neue Mountainbike-Angebote in einer Region vorgesehen sind oder wenn Koexistenzprobleme bestehen. Dabei wird auch auf flankierende Massnahmen hingewiesen, insbesondere zur Kommunikation.

So kann bspw. das Gefahrenpotenzial auf einem breiten Forstweg höher sein als auf einem schmalen Bergweg, weil die Geschwindigkeit grösser ist. Auf Wegabschnitten oder an Stellen, wo das Gefahrenpotenzial erhöht ist, kann mit einer guten Planung (bspw. von Baulichen Massnahmen und Entflechtungen) bereits viel entschärft werden.

Diese können oftmals ohne Verbote mit attraktiven Angeboten auf den offiziellen Wegen geführt werden. Es ist klar zu kommunizieren welche Wege für welche Nutzung bestimmt sind (vgl. 3.2 Besucherlenkung). Die Vereinbarkeit mit anderen Nutzern und Koexistenz Massnahmen sind im Vorfeld sorgfältig zu prüfen.

Die Ergebnisse zeigen auf, dass Konflikte vorhanden, jedoch auch lösbar, sind. Die Aussagen der Teilnehmenden sprechen klar und deutlich für eine bessere Interessenvertretung und den Austausch mit anderen Wegnutzenden (vgl. Umfrage 2021).

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